Interessante Sachen passieren heutzutage in Österreich. Seit Wochen wird auf das heftigste über die „Schulreform“ der Regierung öffentlich gestritten. Da unter diesem Wort wieder einmal Einsparungen zu verstehen sind, erinnert die Kampagne an die zahlreichen ähnlichen öffentlichen Kampagnen, die mit schöner Regelmäßigkeit gegen bestimmte Berufsgruppen geführt werden. Ob es um die „Privilegien“ der ÖBB, Post, BeamtInnen, Uni-Profs., oder eben der LehrerInnen geht; Jedes Jahr wird eine gewerkschaftlich besonders stark organisierte Gruppe ausgewählt und mit einer breit angelegten Mediankampagne angegriffen.
Medien wie die „Krone“ oder „Österreich“ appellieren an den Neid und die Missgunst der Bevölkerung und erklären immer wieder auf neue, warum die Privilegien einer „kleinen Gruppe“ allen anderen „hart arbeitenden Menschen“ schaden. Solche Kampagnen fallen zufälligerweise immer mit Sozialabbau und Privatisierungen zusammen, welche von der jeweiligen Berufsgruppe bekämpft werden.
Dieses Mal haben sich die Schülerinnen und Schüler Österreichweit entgegen der schlimmen Medienkampagne mit ihren Lehrkräften solidarisiert und ihren Unmut mit Streiks auf die Straße getragen. Gedankt wurde es ihnen nicht und obwohl durch die neue Vereinbarung mit dem Bildungsministerium immerhin zahlreiche Arbeitsplätze gerettet werden konnten, so ist der „Kompromiss“ dennoch mit gut einer Woche Mehrarbeit und für die SchülerInnen mit einer Woche weniger Ferien einer eindeutigen Niederlage gleichzusetzen. Die ohnehin nicht existenten Herbstferien fallen genauso komplett weg, wie Fenstertage zwischen Wochenende und Feiertagen. Produktiv sind die gewonnenen Tage nicht und sie bedeuten im Gegenteil sogar eine große Mehrbelastung für alle Betroffenen.
Jedenfalls ist diese „Schulreform“ nichts weiter als ein weiterer Schritt in Richtung einer Verelendung des öffentlichen Schulsystems. Getreu der neoliberalen Logik sollen staatliche Subventionen zurückgefahren werden, oder zumindest private Anbieter gleich behandelt werden. Schon heute schicken alle die es sich leisten können ihre Kinder in Privatschulen und dieser „Trend“ wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken. Der „Rest“ der Kinder wird dann in heruntergekommenen und schlechten Schulen auf ihr Leben am unteren Rand der Gesellschaft vorbereitet werden. Bildung ist heute Ware, aber auch eine große Gefahr für Regierung wie Gesellschaftsordnung. Wie soll die Bevölkerung ihre Ketten sprengen können, wenn sie diese nicht sehen kann?
Der Streikaufruf für Freitag den 24.04 ist jedenfalls mehr als gerechtfertigt und muss breit unterstützt werden. Eine Bildungsreform wie sie und vorschwebt sieht nämlich anders aus und beginnt mit einer massiven Erhöhung der Budgets, welches mit der Einführung der Gesamtschule und der Errichtung eines fairen und hochqualifizierten Schulsystems für alle einhergeht.