Auch dieses Jahr fand wieder die Gedenkwanderung für die PartisanInnen in Kärnten statt
und die JuLi war natürlich mit dabei.
Auf einer Strecke von etwa sieben Kilometern besuchten wir Geburtshäuser,
Nachfahren und historische Stellen der Slowenischen PartisanInnen in Kärnten und hörten
Geschichten von ZeitzeugInnen des Widerstands in Kärnten gegen das Hitler-Regime.
Wir wanderten auf den Spuren der HeldInnen, welche vor allem dafür verantwortlich
waren, dass Österreich überhaupt die Neutralität nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges bekam.
Solch eine Wanderung führt natürlich auch zu aktuellen Ereignissen, wie z.B. der
scheinbaren Lösung des Ortstafelstreits, und man fragt sich, was es sich den eigentlich
mit dem ganzen Konflikt und den kärntner SlowenInnen auf sich hat.
Hierzu eine kleine Erklärung:
Der Wanderweg endete an einem sehr geschichtsträchtigen Ort, dem
Peršmanhof.
Der Peršmanhof wurde 1941 ein wichtiger PartisanInnenstützpunkt. Die Kärntner
slowenische Familie Sadovnik bewirtschaftete den Hof. Ende April 1945 lagerten um
die 150 PartisanInnen in Erwartung des nahen Endes des Zweiten Weltkrieges am
Peršmanhof, als Teile einer Spezialeinheit der SS welche im Südkärntner Raum zur
„Bandenbekämpfung“ eingesetzt wurde, nach einer privaten Anzeige am
25. April 1945, den Hof stürmte. Die PartisanInnen ergriffen die Flucht. Zivile Opfer des
Angriffes wurden die Familien Sadovnik und Kogoj: Vier Erwachsene und sieben
Kinder wurden ermordet. Vier Kinder überlebten, davon drei schwerverletzt. Das
Wohnhaus, sowie das Wirtschaftgebäude wurden niedergebrannt.
Heute befindet sich am Peršmanhof ein Museum welches diesem Verbrechen und
dem Widerstandskampf in Kärnten gedenkt. Es erinnert mit schonungsloser
Deutlichkeit an die Verbrechen dieser Zeit und die Repressionen welchen die kärtner
SlowenInnen auch heute noch ausgesetzt sind.
Im österreichischen Staatsvertrag steht unter Artikel 7, das Recht der slowenischen
und kroatischen Minderheiten auf zweisprachige Ortstafeln, Unterricht und die
Verwendung ihrer Sprachen als Amtssprachen in diesen Regionen.
Rechtsextreme und konservative Parteien und Verbände streiten seit Jahrzehnten mit dem Verband der Kärntner Slowenen um die Festlegung einer gewissen Anteilsgrenze an slowenisch- oder kroatischsprachiger Minderheiten, ab welcher die Umsetzung des
Artikels 7 verpflichtend ist.
Schließlich setzte man die Grenze auf 25 % und errichtete einige wenige
Ortstafeln.
Diese Grenze war entschieden zu hoch und absolut inakzeptabel für den Verband
der Kärntner Slowenen und die betroffenen Menschen.
Der Konflikt wurde schließlich bis zum Verfassungsgerichtshof ausgetragen.
Dieser entschied, dass die Grenze viel zu hoch sei und riet der Regierung eine neue
Grenze von 10 %.
Inakzeptabel, schrien wieder die Nazis und der ganze Streit ging von vorne los.
Doch was passierte jetzt?
Plötzlich einigte man sich auf einen lächerlichen Kompromiss von 17,5 % und die
blauen Faschisten inszenierten sich als die großen Staatsmänner und Löser dieses
gordischen Knotens.
Jahrzehntelang wurde dieser Konflikt wie ein Spielball von der Bundesregierung zur
Landesregierung und zurück hin und her geschossen. Niemand wollte sich diesen
eigentlichen HeldInnen Österreichs annehmen und ihnen die Rechte zuerkennen die
ihnen seit nun mehr als sechzig Jahren zustehen.
Dann plötzlich wendet sich das Blatt und die Nazis stellen sich als "Gutmenschen
und Völkerfreunde" dar.
Dieselben Männer und Frauen welche Jahrzehntelang unzählige Repressionen,
Diskriminierungen und eine feindliche Stimmung in der Bevölkerung ausgelöst haben.
Doch die größte Ironie scheint die Reaktion der Bevölkerung zu sein. Man
applaudiert in Österreich und auch der Verband der Kärntner Slowenen gibt sich mit
dieser lächerlichen Lösung zufrieden.
Wir haben hier nicht nur eine Schuld einer Bevölkerungsgruppe gegenüber, sondern
vergeuden hier auch unglaubliches Potential.
Statt Mehrsprachigkeit zu bestrafen muss man sie nutzen, fördern und fordern.
Selbst für konservative und wirtschaftsorientierte gibt es kein Gegenargument zur
Umsetzung dieses Artikels. Sie müssten es eigentlich befürworten.
Denn vor allem durch Nutzung dieser Mehrsprachigkeit in unserer geografisch-
zentralen Lage, können wir Österreich wirtschaftlich als attraktiven Standort stärken.
Wir können und wollen uns nicht mit dieser Charade zufriedengeben und fordern
die sofortige Umsetzung der 10 % Grenze in Gemeinden und den Ausbau von
zweisprachigen Schulen, Kindergärten und Ämtern.
Für die freie kulturelle, religiöse und menschliche Entwicklung eines jeden in
Österreich!
Gleiche Rechte für Alle!
Für das Erinnern an den Verdienst der slowenischen, kroatischen und
österreichischen PartisanInnen in Österreich!